«Trade and Skills» / «Handel und Handwerk»- Umsetzung in der Schweiz
Ausgangslage
Die Fédération Internationale des Véhicules Anciens FIVA beschloss, mit einer weltweiten Initiative zur Förderung von Handel und Handwerk («Trade & Skills») im Bereich historische Fahrzeuge in Aktion zu treten. In den einzelnen Mitgliedsländern der FIVA wird diese Arbeit durch den jeweiligen nationalen Vertreter (ANF) koordiniert und vorangetrieben, für die Schweiz ist dies die Fédération Suisse des Véhicules Anciens, FSVA. Kontaktperson ist Rolf Mäder, Schaffhausen, Mitglied des Vorstandes der FSVA.
Handwerk und Handel von der Notwendigkeit des Engagements überzeugen
Damit Oldtimer auch weiterhin genutzt werden können, ist neben einer politischen Lobbyarbeit auch die Überzeugungsarbeit im Bereich des Oldtimer-Handwerks und -Handels notwendig. Die Untersuchung der FIVA: „The Historic Vehicle Movement in Europe“ zeigt eindrücklich auf, welches wirtschaftliche Potenzial in der Restaurierung von Oldtimern liegt. Die schweizerischen Handwerksbetriebe sollen davon überzeugt werden, welcher greifbare Nutzen in einem solchen Engagements liegen kann, dies sowohl für das Wachstum und den Wohlstand im Land, als auch für die Beschäftigung und Ausbildung.
Win-Win Situation für alle Beteiligten
Die Leistungen und Angebote der spezialisierten Betriebe im Bereich des Erhalts, der Pflege und des Betriebes der historischen und klassischen Fahrzeuge sollten bekannt gemacht werden und so zum Vorteil der Anbieter einerseits und der nachfragenden Oldtimerbesitzer andererseits gereichen. Hierdurch kann frühzeitig in den Ausbildungsbetrieben gegengesteuert werden, wenn die Gefahr droht, dass einzelne, für den Erhalt dieser Fahrzeuge unabdingbare Fähigkeiten und Fertigkeiten verloren gehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nur die vollumfängliche Berücksichtigung aller an der Oldtimerei beteiligten Kreise die Zukunftssicherung derselben gewährleisten kann.
Umsetzung der Initiative «Handel und Handwerk» in der Schweiz
Bei den historischen Autos sind die Arbeiten in automobil-technische Arbeiten, Carrosseriearbeiten, Sattlerarbeiten, Autoelektroarbeiten etc. zu unterscheiden.
Automobil-technische Arbeiten:
Der Autogewerbeverband AGVS ist für die Ausbildung in den automobil-technischen und mechanischen Berufen zuständig. Der automobil-technische Beruf unterliegt einem grossen Wandel. Dabei ist es wichtig, dass das heutige Wissen an die nächsten Generationen weitergegeben wird.
Carrosseriearbeiten:
Der VSCI - Schweizerischer Carrosserieverband war sich schon früher der Verantwortung bewusst, das «historische Gewissen» zu erhalten. So unterstützt er das SCR Swiss Car Register (CSR) in Effretikon, wo detaillierte historische Unterlagen zu den damaligen Arbeitstechniken archiviert werden. Neben den Carrosseriespenglern sind auch die Carrosserie-Lackierer und die Autosattler im VSCI organisiert.
Zweiradfahrzeuge:
Der SFMGV, Schweizerischer Fahrrad- und Motorrad-Gewerbe-Verband, wurde bis heute nicht angesprochen. Dies wird aber unerlässlich sein. Dabei gibt es viele Parallelen zu den automobil- technischen Arbeiten, welche sich jedoch speziell auf Zweiräder beziehen.
Lehrlingsausbildung
Restauratoren, welche schon Lehrlinge ausgebildet haben, sind oft enttäuscht, dass viele ehemalige Lehrlinge nach der Ausbildung dem Beruf den Rücken kehren und heute in einem anderen Berufsfeld arbeiten. Die Nachhaltigkeit in der Ausbildung muss verbessert werden.
Handel von Ersatzteilen für Oldtimer
In der Schweiz ist der Handelsbereich von Oldtimerersatzteilen relativ klein. Die meisten Ersatzteile werden vom Ausland importiert. In diesem Bereich sollten die alteingesessenen Ersatzteilhändler und auch Spezialfirmen wie Oberflächenveredler einbezogen werden.
Interessengemeinschaft der Fahrzeug-Restauratoren (IgFS)
Die Fédération Suisse des Véhicules Anciens hat sich als „Geburtshelfer“ der Interessengemeinschaft der Fahrzeugrestauratoren engagiert. Am 14. Mai 2011 wurde der Verband für Fahrzeugrestauratoren aller historischen Fahrzeuge wie Autos, Lastkraftwagen, Motor- und Fahrräder sowie deren Zulieferer in Baden gegründet. Sie hat sich folgende Ziele für ein neues Berufsbild gesetzt:
- Schaffung eines Netzwerkes in der Restaurationsbranche, in welchem sich die verschiedenen Spezialisten und Allrounder austauschen können
- Ausführen von Restaurationsarbeiten nach den Vorgaben des Technik Codes der FIVA schafft Klarheit für die Restauratoren und deren Kunden
- Plattform für Berufsleute, die ihr erworbenes Fachwissen an neue Generationen weitergeben wollen, damit junge Berufsleute von «alten Hasen» lernen können, damit fachspezifisches Wissen und Fertigkeiten nicht in Vergessenheit geraten
- Schaffung einer Weiterbildung mit einem BBT anerkannten Berufsabschluss in der Fahrzeug- und Restaurationsbranche
- Besitzer und Sammler von Veteranenfahrzeugen, welche die Gewissheit erhalten, dass ihr Fahrzeug von ausgewiesenen Fachleuten professionell restauriert, instandgehalten, repariert und gepflegt wird
- Zusammenarbeit mit dem ASTRA und den kantonalen Strassenverkehrsämtern sowie den Berufsverbänden in der Fahrzeugbranche fördern, damit gemeinsam das Ziel verfolgt wird, dass die Fahrzeuge von gestern auf dem Strassen von morgen rollen können
Link zu: http://www.fahrzeugrestauratoren.ch/
Quelle: Exposé von Rolf Mäder vom 20.09.2009, Zusammenfassung durch Felix Buser


