Ein halbes Jahrhundert im Dienst des historischen Fahrzeuges - Zwei Jahrzehnte als Dachverband «Fédération Suisse des Véhicules Anciens»

Wurzeln der weltweiten Bewegung zur Erhaltung des automobilen Kulturgutes

Lange bevor in der Schweiz die ersten Anstrengungen zum Schutz und zur Erhaltung früherer Fortbewegungsmittel unternommen wurden, war Grossbritannien das Pionierland auf diesem Gebiet. Der allererste Anlass dieser Art geht auf die Erinnerung an den originalen „London to Brighton Run“ zurück, wo aus Freude über die Aufhebung des „Locomotive Act“ im November 1896 die Strecke von London zum Ärmelkanal erstmals ohne Geschwindigkeitslimite zurückgelegt wurde. Anderseits wurde bereits 1898 in London das erste Automuseum eröffnet.

In Deutschland, der Geburtsstätte der epochalen Erfindungen von Gottlieb Daimler und Karl Benz, vereinigten sich im Jahr 1900 die Besitzer von sog. „Schnauferln“ – Autos mit „Schnüffel-Ventilen“ – zum „Allgemeinen Schnauferl Club“. Frankreich, eines der Pionierländer der Autoproduktion, kennt ebenfalls eine sehr frühe organisierte Veteranenfahrzeug-Szene; zu den ältesten Clubs zählen u.a. der „Club des Teuf-Teuf“.

Oldtimer-Szene Schweiz – Vorbild der Entwicklung seit 1957

Die Wurzeln der Veteranenfahrzeug-Szene in der Schweiz finden wir erst in den Fünfzigerjahren, als historische Fahrzeuge noch mit Leichtigkeit und zu vernünftigen Preisen gefunden werden konnten. So schlossen sich einige Liebhaber und Sammler historischer Vehikel 1957 zum Schweizer Motor- Veteranen-Club (SMVC) zusammen und organisierten gemeinsame Ausfahrten. Die rasch wachsende Liebhaber-Gemeinde, welche sich in der Freizeit mit historischen Fahrzeugen beschäftigte, führte zur Gründung von regionalen oder sprachlichen Vereinigungen: Veteran Car Club Suisse Romand (VCCSR) 1963 in der Westschweiz; Oldtimer Club Bern (OCB) 1969 im Mittelland (Bern und Nachbarkantone). Diese drei Clubs waren auf Grund ihrer – sogar auf europäischer Ebene – bedeutenden Mitgliederzahlen die Wegbereiter zur Gründung weiterer Vereinigungen wie des Oldtimer Club Ostschweiz (OCO), Oldtimer Club Innerschweiz (OCI) und Gruppe Historischer Sportfahrzeuge (GHS).

SMVC und VCCSR – Gründungsmitglieder der Weltorganisation FIVA

Bereits in den frühen 60er Jahren nahmen der SMVC und der VCCSR die internationale Vertretung der Schweiz als Mitgründer der Fédération Internationale des Véhicules Anciens (FIVA) wahr. Traditionsgemäss werden auch heute noch Delegierte der Schweizer Clubs mit Schlüsselfunktionen der FIVA betraut.

Intensive Zusammenarbeit auf nationaler Ebene

Die Bedeutung einer gemeinsamen Ansprechstelle gegenüber eidgenössischen und kantonalen Behörden war offensichtlich, umso mehr als die Umsetzung der Bundesgesetzgebung auf kantonaler Ebene erfolgt. Nur mit vereinten Kräften lassen sich günstige Ergebnisse aus den Verhandlungen mit den betroffenen Behörden erzielen. In dieser Überzeugung von der Stärke der Einigkeit koordinierten die Präsidenten der drei grossen Traditionsclubs SMVC, VCCSR und OCB, später auch mit OCO, OCI und GHS die Tätigkeiten und Anliegen ihrer Clubs an regelmässig durchgeführten Konferenzen. In diese Zeit fallen wichtige Errungenschaften, auf welche die drei grossen Gründerclubs der FSVA nach mehreren Jahren intensivster Verhandlungen stolz sind: die gesamtschweizerische Einführung von Kollektivschildern für Besitzer von grossen Sammlungen historischer Fahrzeuge sowie die Zuteilung von braunen Kennzeichen für sog. Ausnahme-Fahrzeuge, z.B. ohne Beleuchtung etc. Ebenso erfolgreich haben sie erreicht, dass Veteranenfahrzeuge weder mit Sicherheitsgurten, noch mit Katalysatoren nachzurüsten sind.

Regelmässige Behördenkontakte auf kantonaler und eidgenössischer Ebene führten ab anfangs der 70er Jahre zur Einführung von speziellen Fahrzeug-Prüftagen und Ausbildungskursen für Prüfungsexperten in Zusammenarbeit mit den Oldtimer Clubs. Die 80er Jahre brachten nach zahlreichen Besprechungen mit den Versicherungs-Gesellschaften maximale Reduktionen der Haftpflicht- und Kasko-Prämien für Veteranenfahrzeuge, nachdem die geringen Risiken korrekt kalkuliert worden waren.

Während die traditionellen Oldtimer Clubs ohne Markenbindung dank engmaschigem Beziehungsnetz zu Behörden, Kantonsregierung, Bundesrat, Parlament und zur Privatwirtschaft eine intensive Interessenvertretung der Besitzer historischer Fahrzeuge wahrnahmen, haben sich Ende der 80er Jahre einige Markenclubs zu einem Dachverband zusammengeschlossen. Die drei grossen Clubs unseres Landes, welche am Aufbau mitgearbeitet hatten, konnten sich schliesslich wegen Diskrepanzen der Statuten nicht anschliessen. In der Folge drängte sich die Vereinigung der traditionellen Oldtimer- Clubs zu einem nationalen Verband nach internationalen Regeln auf.

Die Fédération Suisse des Véhicules Anciens erhält ihren Namen. Auf deutsch übersetzt: Schweizerische Föderation historischer Fahrzeuge.
Der 1. Juni 1991 ist ein Meilenstein in der nationalen Oldtimerbewegung.

Die Gründung der Schweizer Spitzenorganisation FSVA nach dem Vorbild der FIVA bezweckte die formelle Legalisierung der seit Jahrzehnten eingespielten und erfolgreichen Zusammenarbeit unter den Traditionsclubs, um die Interessen der Besitzer historischer Fahrzeuge in der Schweiz noch besser wahrnehmen zu können.

Die Initiative ging von den damaligen Präsidenten Ruedi Wenger/SMVC, Claude Berset/VCCSR und Mark Rufer/OCB aus, welche durch Edy Tanner/OCO, Hans Bründler/OCI und Oskar Christen/GHS unterstützt wurden. Zum Gründungs-Präsidenten wurde Ernest Schmid ernannt, Mitbegründer und Ehrenpräsident des VCCSR sowie ausgewiesener Automobil-Historiker. In der Folge führten als Präsidenten nacheinander Ruedi Wenger, Mark Rufer, Claude Berset, Dominik Fischlin und seit 2006 Thomas Kohler die Schweizer Spitzenorganisation FSVA.

Die Leistungen und Meilensteine der letzten zwei Jahrzehnte im Dienst des historischen Fahrzeugs

1990 - 1992
Abwenden der sog. Ausmerz-Aktion für katalysatorlose Fahrzeuge, indem den Veteranenfahrzeugen die Anerkennung als Kulturgut und damit ein Sonderstatus zugebilligt wird. Einführung des 6-Jahres- Prüfungsintervalls bei der amtlichen Kontrolle von Veteranenfahrzeugen. Einführung von Veteranenfahrzeug-Wechselschildern, wobei die Anzahl Fahrzeuge pro Schild je nach Kanton variiert.

1993 - 1995
fahrt für die Wohltätigkeitsorganisation „Telethon“, welche sich für an Muskelschwund- und Cystischer Fibrose Erkrankte einsetzt. Herstellung und kostenlose Abgabe von Oelauffang-Kartons an Organisatoren von Veranstaltungen für Veteranenfahrzeuge. Pflege der informellen Kontakte zur eidg. Regierung anlässlich der „Bundesratsreise“, indem alle Bundesräte und -kanzler von Vorstandsmitgliedern der FSVA in Veteranenfahrzeugen ausgefahren wurden.

1996 - 1998
Aufnahme der FSVA als FIVA-Mitglied und Übertragung der nationalen Verantwortung und internationalen Vertretung der Schweizer Interessen für FIVA-Veranstaltungen sowie Erteilung der Kompetenz für die Ausstellung der FIVA-Fahrzeug-Identitätskarten in der Schweiz. Anerkennung der FSVA durch die Nationale Sport-Kommission NSK für den Bereich historischer Fahrzeuge. Vorbereitung zur Ausnahmeregelung der LSVA sowie für Sonntagsfahrten für historische Nutzfahrzeuge. Einsprachen zur Ablehnung von Sondersteuern für Fahrzeuge ohne Katalysator. Durchführung von Technischen Seminaren für die Verantwortlichen der FSVA- und SDHM- Mitgliedclubs sowie für ausgewählte Experten der kantonalen Strassenverkehrsämter. Wiederwahl auf internationaler Ebene in der Leitung der FIVA von Georges Cots (General Committee), Hans Koch (Historik), Lukas Oberholzer (Events) und Bea Müller-Wirth (Finanzen). Halb-Preis-Angebot für Mitglieder auf das Jahresabonnement der Automobil Revue (AR). Sonderangebote für Kasko- Versicherungsmodell und Bleibenzin-Ersatzprodukt.

1999 - 2001
Vereinigung der Dachorganisationen „Freunde alter Landmaschinen Schweiz“ (FALS) sowie „Freunde alter Motorräder“ (FAM) in der FSVA. Seither ist die FSVA die grösste Schweizer Interessenvertretung mit über 10‘000 Mitgliedern aus allen Regionen des Landes. 1. gemeinsame Vorstandskonferenz der Marken- und Veteranenclubs, mit dem Ziel der Unterstützung bei der Realisierung einer neuen Strassenverkehrshalle im Verkehrshaus der Schweiz. Gastgeber der FIVA- General-Versammlung in der Schweiz nahe Genf. Umfassende Information in der AR zum Thema FIVA-ID-Karten sowie Bleibenzin-Ersatz. Ständige Vertretung via FIVA beim Europa-Parlament; monatliche Informationen des FIVA-Lobbyisten in Brüssel verfügbar. Herausgabe der FSVA- Jubiläumsschrift zu ihrem 10-Jahre-Jubiläum. Inkraftsetzung der Ausnahmeregelung der LSVA für historische Nutzfahrzeuge. Bzw. auch für Sonntagsfahrten in diversen Kantonen.

2002 - 2004
Mitwirkung in der asa-Arbeitsgruppe betreffend Neuerungen im Strassenverkehrs-Gesetz (Licht am Tag, Förderung Langsamverkehr, Verlängerung der Prüfungsintervalle, Altautoentsorgung, Asbestverbot, u.a.). Erhebung der Zahlen von Fahrzeugen mit Veteranenstatus in der Schweiz. Realisation der Präsenz in der neuen Strassenverkehrshalle im Verkehrshaus Luzern.

2005 - 2008
Enge Zusammenarbeit via FIVA mit den EU-Ländern, u.a. im Rahmen eines Forschungsprojekts über wichtige Daten des historischen Fahrzeugs. Vertretung in der Geschäftsleitung der FIVA durch Thomas Kohler (Kommission Motorrad), Mark Rufer (Kommission Historik und Kulturgut) und Beatrice Müller-Wirth (Finanzen). Erfolgreiche Bemühungen im Tessin zur Abwendung höherer Steuern für emissionsreiche Fahrzeuge mittels Ausnahmeregelung z.G. der Veteranenfahrzeuge. Jährliche Präsentation der FSVA im Rahmen der internationalen Messe „Geneva Classics. Aufnahme als Kooperationsmitglied des Trägervereins der „Nationalen Informationsstelle zur Kulturgüter- Erhaltung“ NIKE (Delegierter FSVA Mark Rufer).

2009
Durchführung von Seminarien für FIVA-ID-Karten mit Technik-Verantwortlichen der Mitgliedclubs der FSVA und des SDHM und von zwei Sonderkursen für ausgewählte Experten der kant. Strassenverkehrsämter. Verhandlung der Anpassungen an die neue ab 2009 geltende Regelung der Zulassung als Veteranenfahrzeuge (Anerkennung der FIVA-ID). Abwenden der Ausrüstungspflicht mit Höchstgeschwindigkeitstafeln für Veteranenfahrzeuge und höherer Verkehrssteuern für über 20- jährige Fahrzeuge. Forum an der „Geneva Classics“ zum Thema „das Original und seine Möglichkeiten“ unter FIVA-Patronat; Leitung FIVA-Präsident Horst Brüning.

2010
Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation wollte in der Schweiz sogenannte Umweltzonen einrichten. Als eine der ersten Stellen intervenierte die FSVA bei den Bundesbehörden. Es wurde verlangt, dass in den geplanten Weisungen des ASTRA vom 3.11.2008 eine Ausnahme von Fahrverboten in Umweltzonen für Veteranenfahrzeuge zu gewähren sei. Auch andere Stellen intervenierten bei Bundesstellen und Parlementarierinnen und Parlamentariern. Schliesslich wurde vom Bund beschlossen, keine Umweltzonen einzuführen.

2011
Die Fédération Suisse des Véhicules Anciens kann am Oldtimer- und Teilemarkt in Fribourg ihr 20-jähriges Jubiläum feiern.
20jahrefsvaklein